Wir haben Zeit, es ist trocken, wenn auch die Sonne sich eher selten blicken lässt. Was wollen wir machen? Na am besten wandern. Schnell ist entschieden, dass die Morgenbachrunde im Binger Wald in Augenschein genommen wird. Beim Start mit dem Auto in Simmern lachte uns die Sonne an. Schon nach 5 km Schnellstraße sehen wir über dem Soonwald dunkle Wolken hängen. Davon lassen wir uns nicht entmutigen, denn wir wollen ja in den Binger Wald, da ist es ja trocken. Als wir durch Dörrebach rollen, fallen schon die ersten Regentropfen auf die Frontscheibe. Wir sind weiterhin guten Mutes zu wandern. Als jedoch, hinter Waldalgesheim Hagelkörner unsere Frontscheibe zieren, erreicht die Wanderstimmung den Tiefpunkt. Unser geplanter Weg durch Morgenbachtal mit Start an der Gaststätte Forsthaus Jägerhaus wird nichts mehr. Wollen wir nach Hause, ein klares nein. Vielleicht ist es vorbei wenn wir einen anderen Einstieg nehmen, sind ja schließlich nur Schauer. Also fahren wir weiter Richtung Bingen, Richtung Trechtingshausen und dort zum Steinbruch. Nix war’s. Überall Regen und dunkle Wolken. Schade, aber wir wollen immer noch wandern. Vielleich eine Traumschleifen zwischen hier und Koblenz: Die Rheingold-Traumschleife oder die Fünfseen-Runde? Während wir so überlegen sahen wir den Himmel hinter Bacharach blau und immer heller werden. Also ab in diese Richtung. Als wir in Oberwesel ankommen hält es uns nicht mehr im Auto. „Wir starten einfach hier.“

Hier gibt es den Oelsbergsteig und auf der Höhe den Spitzen Stein. Da kann man was draus machen. Dann halt kein „Ausgeschilderter Weg“ sondern ganz spontan auf eigene Faust. Auto geparkt, Rucksack auf den Rücken und los geht es, vollen Mutes, zum Oelsberg. Freudig schreiten wir voran bis zur nächsten Überraschung: Klettersteig wegen Felssturzgefahr gesperrt. Dann also der Umleitung folgend einen verdammt steilen Pfad hinauf. Kalt ist uns jetzt auf jeden Fall nicht mehr. Als wir am Günderodehaus ankommen sind bereits ein paar Schweißperlen an uns heruntergelaufen. Von hier aus sind eine Traumschleife und ein Traumschleifchen beschrieben. Wir bleiben erstmal weiter auf der Umleitung des Rheinburgenwegs. Kurz darauf erblicken wir eine Metallstatue, die sich als Troll herausstellt. Nach einem Foto geht es weiter und schon wartet die nächsten lustigen Figuren auf uns, den ganzen Weg bis zur K95. Ab hier wechselt der Fokus auf die schönen Ausblicke ins Rheintal. Besonders schön auch bei Maria Ruh, auch wenn das Café dort Corona bedingt leider geschlossen ist. Die beiden schönen Schaukeln und ein Pavillon laden zwar zur Rast ein, wir gehen aber weiter.

Unsere improvisierte Route gefällt uns richtig gut und führte uns nun durch Urbar in Richtung Spitzen Stein. Erst ein breiter Feldweg und dann durch den Wald, wo uns ein Reh ein paar Meter begleitete, wanderten wir weiter. Ein führt uns dann zum Spitzen Stein mit seinem neu erbauten Metallturm. Schnell hoch, doch ein längeres verweilen ist wegen des starken Windes nicht angeraten. Schnell ein paar Fotos und dann runter und in die große Hütte zum vespern. Der Rucksack musste ja auch mal leichter werden - lecker. Weiter geht es, entlang eines Pfads, der einige Höhenmetern durch den Wald für uns bereit hält und Richtung Rheinhöhenweg (ehemals Fernwanderweg mit R beschildert). Heraus kommen wir, über Teer- und Feldwege, am Günderodehaus. An diesem ehemaligen Filmhaus befindet sich auch der 7 Jungfrauenblick mit genialem Blick ins Rheintal. Jetzt geht es lange abwärts, zurück nach Oberwesel. Stolz aus einem Tag der, im Wahrsten Sinne des Wortes, beinahe ins Wasser gefallen wäre, doch noch eine solch spannenden Ausflug gemacht zu haben. Überraschende Troll-Begegnungen, jede Menge Highlights, tolle Aussichten, einige Höhenmeter und ein paar wundervolle Stunden unter blauem Himmel. Was will das Wanderer-Herz mehr! Was für ein erlebnisreicher Tag. Nun schnell den Rucksack ins Auto geladen und mit allerbesten Erinnerungen starteten wir die Heimreise.

Die "Hard Facts" zu unserer Tour:
Länge:  11,16km
Höhenmeter: 422m
Gehzeit von Martin und Anke: 3:27:47

Vielen Dank Martin, für diesen tollen Bericht!