Papa, hast du Lust nochmal `ne Hüttentour zu machen? Guter Start, schnell war klar: wir fahren mit der Bahn und wollen ein paar Klettersteige machen. So fiel die Wahl auf 5 Tage im Zahmen und den Wilden Kaiser.

Wir starten mit dem Zug von Oberwesel aus nach Kufstein. Preislich, wenn man mindestens 1 Woche vorher bucht gegen das Auto nicht zu toppen. Ganz zu Schweigen vom Umweltfaktor und dass man sogar unterwegs ein Nickerchen machen kann. Zeitlich tun sich Auto und Bahnfahrt auch nichts. Dank leichtem Gepäck für uns die perfekte Reiseart.

So erreichen wir Kufstein erholt, laufen quer durch den Ort und steigen entlang des Kaiserbachs auf zur Vorderkaiserfeldenhütte, auf der wir die erste Nacht verbringen. Es ist feucht von oben und nur selten verzieht sich der Nebel, aber die Regenjacken- und Schirme halten. Bei Dauerregen am nächsten Morgen sehen wir aber von ein paar geplanten Gipfelüberschreitungen auf dem Zahmen Kaiser ab und gehen direkt zum Stripsenjochhaus. Bald hilft auch Regenkleidung nicht mehr und der Blick auf die Felswände des Wilden Kaisers bleibt uns verwehrt. Völlig durchnässt und wenig motiviert erreichen wir das Stripsenjochhaus. Für morgen sieht es endlich nach besserem Wetter aus. Bier und Kaiserschmarren entschädigen später ganz gut.

Morgens hängt noch Nebel
am Berg, der sich im Aufstieg zu Wolken verzieht und grandiose Felswelten freilegt. Bis mittags ist die Sonne da und wir bereits mitten in der Königsetappe unserer Tour. Mit leichtem Gepäck (Verpflegung, Klettersteigsets, Helme) planen wir den Elmauer Halt, den höchsten Gipfel des Kaisergebirges, zu überschreiten und die Nacht erneut im Stripsenjochhaus verbringen. Wir versteigen uns aber in einem Geröllfeld. Als wir den Klettersteigs zum Gipfel erreichen ist es bereits zu spät um noch aufzusteigen. So nehmen wir den wenig begangenen Pfad durchs Tal, der sich als äußerst schwierig herausstellt, hinab. Schade um das Gipfelglück und den Klettersteig, aber auch ohne ein voller Erfolg. Auf den etwa 9km Strecke sind wir 2000 m auf und wieder abgestiegen, auch ohne Gipfel.

Das merken wir am nächsten Tag. Der schöne Bettlersteig bis zur Kaindlhütte ist zwar ein landschaftlicher Genuss, aber unsere Beine wollen einfach nicht so recht heute. Das macht nichts, denn wir haben Zeit. Die Hütte liegt absolut traumhaft auf einer Hochalm direkt hinter den schroffen Gipfeln des Zettenkaisers und Scheffauers. Letzteren wollen wir am nächsten Tag. Für heute ist aber nur noch Liegestuhl und leichte Bewegung angesagt.

Die Kraft ist zurück und der Tag auf dem Scheffauer traumhaft. Im Sonnenschein und nach einem anspruchsvoller Aufstieg erreichen wir den Gipfel. In der Ferne die schneebedeckten Alpenspitzen, davor das nicht minder schöne Kitzbühler Tal. Wir steigen ab zur Steiner Hochalm. Hier sitzt ein alter Österreicher und spielt Harfe, während seine Frau ausschenkt. Alles vor dem Panorama Kitzbühls, etwas kitschig, gebe ich zu, aber auch wirklich schön. Beschwingt wandern wir weiter und stoppen nochmal um das Panorama des Hintersteiner Sees zu genießen, den wir auch vom Gipfel bereits erspähen konnten.

Zurück auf der Kaindlhütte gibt es zur Belohnung eine dicke Portion der wohl besten Käsespätzle, die ich je gegessen habe. Alles im Schatten des Gipfels, auf dem wir heute schon gestanden haben, garniert mit Alpenglühen zu späterer Stunde. Am Abend in der Hütte spielt noch ein Gast sehr gut Gitarre und die ganze Hütte singt. Ein perfekter Tag. So darf eine Alpentour enden.

In der Sonne steigen wir nach Kufstein ba am nächsten Tag. Das Wetter lädt zum Bleiben ein, der Körper hat aber genug. Tolle Wandertage, alle Leckereien sind verkostet und schöne Erinnerungen kreiert. Wegen des Bahnstreik sind wir sogar 1 Stunde früher zurück in Oberwesel und hatten Zeit für eine Mittagspause in München.

Nicht alles lief nach Plan und trotzdem eine perfekte Tour. Der Muskelkater geht, die Fotos und Erinnerungen einer gelungenen Bergtour bleiben.

Danke fürs lesen!
Liebe Grüße
Eure Steffi